Der Storchenturm

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Der Storchenturm ist das Wahrzeichen von Zell am Harmersbach und mit seinen 25 Metern Höhe ein stolzer Zeuge der Vergangenheit, der ehemals wehrhaften, kleinsten freien Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich. Der zusammen mit der gesamten Stadtbefestigung um das Jahr 1330 erbaute „Lange Turm“ wurde aufgrund des herrlichen Ausblicks von den Einheimischen auch „Lueg ins Land“ genannt.

Früher diente der „Lange Turm“ als Wartturm mit Hungerverlies und Turmkerker, die übrigens heute noch zu besichtigen sind. Als markanter Bestandteil der ehemaligen Stadtbefestigung führte hier ein schmaler Durchgang, das sogenannte Dreibatzenloch, im Süden aus der Stadt. Der Turm ist von quadratischem Grundriss und wurde in schwerem Bruchsteinmauerwerk mit Buckelquadern an den Ecken errichtet. Das oberste Geschoss zeigt Rundbogenfenster, darüber befindet sich ein Satteldach mit Walmen an den Giebelseiten.

Der „Lange Turm“ ist zugleich auch das markanteste noch erhaltene Bauwerk der ursprünglichen Stadtbefestigung, die man heute noch an vielen Stellen findet. Sie bestand aus zwei starken Mauern mit einem breiten Graben und drei Tortürmen mit Fallbrücken, dem Unter-, Ober- und Kirchtor, dazu der „Lange Turm“ und mehrere Flankentürme.

Die heute geläufige Bezeichnung Storchenturm erhielt der „Lange Turm“ von der Zeller Bevölkerung, aufgrund der in früheren Zeiten zahlreich darauf siedelnden Störche. Nach der Renovierung des Satteldachs 1991 wurde dort wieder ein Storchennest angebracht, welches heute regelmäßig von Störchen als Brutstätte genutzt wird.

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Wer sich heute dem Storchenturm von der Südseite her nähert, dem fallen bevor er durch den Torbogen geht die vier „Schwedenkanonen“ ins Auge. Sie sollen an die Beutestücke erinnern, welche die Zeller im Dreißigjährigen Krieg beim Gefecht im Ortsteil Stöcken (Unterentersbach) den Schweden abnahmen. Dieser Überlieferung zufolge müssten sie also aus dem 17. Jahrhundert stammen. Tatsächlich fanden jedoch Ortshistoriker heraus, dass die Kanonen mit großer Wahrscheinlichkeit erst im 18. Jahrhundert gegossen wurden und somit keine Feuerwaffen aus dem Dreißigjährigen Krieg sein können, also wohl auch nicht aus Schweden stammen.

In halber Turmhöhe ist heute ein Stein mit dem Reichsadler angebracht, der einst das Untertor zierte und nach dessen Abriss im Jahr 1879 hier eingefügt wurde. Ebenfalls vom Untertor stammt die „Arme-Sünder-Glocke“ auf dem Dach des Storchenturms. Sie wurde früher geläutet, wenn Schwerverbrecher durch das Untertor zu ihrer Hinrichtungsstätte auf der Galgenmatte außerhalb der Stadtmauer geführt wurden. Während den Gebeten für den armen Sünder wurde, wie der Name schon sagt, die „Arme-Sünder-Glocke“ geläutet.

Im Inneren des Storchenturmes befindet sich heute das Heimatmuseum, das zu den größten Museen in der Ortenau zählt und wegen seiner Attraktivität weit darüber hinaus bekannt ist.

Das Storchenturm Museum

Das Heimatmuseum im Storchenturm zeugt in erstaunlich gut erhaltenen Räumlichkeiten von längst vergangenen Zeiten. Beim erklimmen der 108 Stufen werden Besucher durch die nun 875-jährige Zeller Stadtgeschichte geführt. Sie erhalten auf vier Stockwerken interessante und überraschende Einblicke in Geschichte und Kultur der ehemals kleinsten Reichsstadt des Heiligen Römischen Reiches Zell am Harmersbach. Sogar der Kerker und das Hungerverließ sind zu sehen. Hier wurden Spitzbuben und Verbrecher eingesperrt, wo sie bis zur Verurteilung durch die Zeller Gerichtsbarkeit auf Stroh, bei Wasser und Brot Hungers darben mussten. Daneben sind Schandbretter und Schandglocke sowie diverse Folterinstrumente, unter anderem auch eine original Daumenschraube, ausgestellt.
Ebenfalls original noch erhalten sind Teile des Wehrganges, als beeindruckendes Zeugnis der Wehrhaftigkeit der Stadt Zell am Harmersbach. Auch neben dem Storchenturm befinden sich noch Teile der gut erhaltenen Stadtmauer.

Ganz oben im Storchenturm ist die alte Turmwärterstube eingerichtet. Sie war einst das Arbeitszimmer des Turmwärters, der von hier aus einen guten Blick über die ganze Stadt hatte und wenn nötig, die Bevölkerung über heranziehende Feinde alarmieren oder Feueralarm auslösen konnte.

Einzigartige Exponate auf 800 qm Ausstellungsfläche

Überregionale Bedeutung hat das Strochenturm Museum auch durch seine mehr als 3000, größtenteils einzigartigen Exponate erlangt, die im Storchenturm, dem angrenzenden ehemaligen Feuerwehrhaus und dem „Haus Volk“ zusammenhängend auf über 800 qm Ausstellungsfläche gezeigt werden.

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Darunter Porzellan- und Keramikgeschirr aus Zeller Produktion, die schon 1859 begann und heute nicht nur durch das weltberühmte „Hahn und Henne“ Dekor bekannt ist.

Darüber hinaus bietet das Storchenturm Museum interessante Einblicke in das Handwerksleben vergangener Zeiten. Komplette Werkstätten von Flaschnern, Töpfern, Schmied und Schuhmachern sowie Werkzeuge der Seiler und Weber, Zigarrenmacher und Bierbrauer, zeigen lebensnah die Arbeit und die Geschicklichkeit vergangener Berufe.

Besonderheiten sind auch die umfangreichen Uhren-, Münzen- und Mineraliensammlungen, aber auch die Waffen, Bürger- und Feuerwehrausrüstungen, Hausrat, Trachten, usw. Darunter die „Bildstein“-Sammlung, nach ihrem Stifter Josef Bildstein benannt. Sie umfasst Stücke des Uhrmacher-Handwerks, wie Zeller-Porzellan-Schilder-Uhren, Uhren mit Spielwerken, Kuckucksuhren, Standuhren und als besondere Kostbarkeit eine astronomische Uhr, die 1896 vom Zeller Uhrmacher Gustav Riehle angefertigt wurde.

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Zu den herausragenden Unikaten im Storchenturm Museum gehört das Orchestrion „Zamba“, das 1897 in der Orgelbaustadt Waldkirch gebaut und 1898 nach Zell am Harmersbach kam. Ebenfalls eine besonders seltene Sehenswürdigkeit und in Fachkreisen berühmt ist der einzigartige „Basler Totentanz“ aus der Manufaktur Sohn in Zizenhausen-Stockach. 42 Terrakotta-Figuren stellen die Vergänglichkeit des Lebens dar.
 

Viel Spaß beim Besuch vor Ort!
 

Storchenturm

Museumsleiter Heinz Scherzinger, Tel.: 07835-7545

http://www.storchenturm-museum.de/

Bildquelle: Großpietsch Produkt-PR®; Stadt Zell am Harmersbach

 

Autor: Simone Grosspietsch

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