Die fünfte Jahreszeit im Schwarzwald

Narren in Gengenbach

Narren in Gengenbach ©Kultur- und Tourismus GmbH Gengenbach, Dieter Wissing

Wild geblieben!
Auch im Schwarzwald beginnt die fünfte Jahreszeit offiziell am 11. November. Spätestens bis zum Dreikönigstag am 6. Januar, zum eigentlichen Auftakt der Fasnacht, Fastnacht, Fasnet oder Fasent, heißt es dann überall Masken und Häs auspacken, um sich gegenseitig im Kostüm zu besuchen. Bis zu den „Hohen Tagen“ der Straßenfasnet, die 2016 vom 04. bis 10. Februar stattfinden, geben dann Guggenmusik, Blechmusik und Fanfarengruppen den Rhythmus vor und wilde Sprünge begeistern die Zuschauer.

Die schwäbisch-alemannische Fasnet ist ganz anders als der sehr viel jüngere rheinische Karneval. Ihre Umzüge gehören zu den ursprünglichsten, wildesten und zugleich authentischsten Volksfesten im Schwarzwald. Hier sind es nicht Funkenmariechen und Prinzengarden sondern Hexen, Schuttige, Hansele, Narros, Spättle, Teufel, Morbili, Geißenmeckerer, Federahannes und sonstige Gesellen die durch die Straßen schreiten, stampfen, hopsen und springen. Im Schwarzwald hat jedes „Häs“ seine Bedeutung und jede Region ihre eigene Fasnachtstradition.

Besonders intensiv werden die närrischen Tage im Kinzigtal gefeiert. In den rund 20 Gemeinden gibt es dann mehr als 130 Straßenumzüge und nächtliches Treiben, Feuerbräuche sowie schräge Guggenmusik bestimmen in dieser Zeit das Leben. Über die Straßen flattern bunte Stoffwimpel und in den Wirtschaften „schnurren und schnaigen“ die Narren von den Tellern der Gäste. Richtig eilig mit dem närrischen Treiben haben es die Narren von Gengenbach. Hier beginnt die Fasend dreieinhalb Wochen vor dem Aschermittwoch mit dem „Hemdeglunker“. An diesem Tag wird der Schalk, der das Jahr über im Niggelturm geschlafen hat, unter Lärm und Getöse geweckt. Am Mittwoch vor dem „Schmutzige Dunschtig“ stellen dann die Hexen ihren etwa neun Meter großen Besen auf. Ein Höhepunkt ist am Fasnachtssonntag die „Straßenfasend“. Die „Fasend“ endet in der Nacht auf Aschermittwoch, wenn der Schalk wieder in den Niggelturm verbannt wird.

Schnell munter wird man zur fünften Jahreszeit auch in Deißlingen-Lauffen. Hier steht am 6. Januar für den Narrenrat eine „Fiaßwäsch“ im eiskalten Polterrain-Brunnen an. Danach werden die Narrenmasken abgestaubt, damit die närrische Zeit endlich beginnt.
Weit über die Region hinaus bekannt ist die Fasnet in Rottweil. Hier werden die „Narrenkleidle“ ebenfalls an Dreikönig abgestaubt. Dazu ziehen die Ausschussmitglieder der Narrenzunft in Frack und Zylinder durch die Kernstadt und machen Halt an den alten „Narrenhäusern“. Wie in den meisten Orten beginnt die Hochphase der Rottweiler jedoch am Fasnachtsmontag und -dienstag mit dem „Narrensprung“. Um Punkt acht Uhr starten am „Schwarzen Tor“ mehr als 3000 Federahannes, Schantle, Gschellnarren und der Guller ihren Umzug durch die Fachwerkstadt.

Ebenfalls weithin bekannt sind die „Maschgere“ aus Villingen-Schwenningen, einer der schwäbisch-alemannischen Fasnachsthochburgen oder die „Da-Bach-na-Fahrt“ in Schramberg, wo am Fasnachtsmontag rund 80 närrische Kanalfahrer in fantasievoll dekorierten Zubern die eiskalte Schiltach hinab rauschen.
Wer also die schwäbisch-alemannische Fasnet im Schwarzwald authentisch erleben will, hat dazu in vielen Orten zwischen Renchtal im Norden und der Schweizer Grenze im Süden Gelegenheit. Egal wie kalt der Winter werden mag: Tanzen, Wurst, Glühwein, das Schnurre und Schnaige in den Kneipen und das Gedrängel halten warm.

Und wer am Aschermittwoch noch nicht genug von der schwäbisch-alemannischen Fasnacht bekommen hat, sollte nach Weil am Rhein weiterziehen. Denn während andernorts im Schwarzwald die Straßenfasnacht zu Ende ist, geht es in Weil am Rhein mit der „Buurefasnet“ am Sonntag nach Aschermittwoch erst richtig zur Sache. Beim Umzug ziehen tausende „Hästräger“ und „Guggemusiker“ durch die Stadt. Auch der „Morgestraich“ in Basel beginnt am Montag nach Aschermittwoch und dauert exakt 72 Stunden. Ab 4 Uhr morgens ziehen die trommelnden und pfeifenden Cliquen mit ihren Laternen durch die Straßen. Das Spektakel endet am Donnerstag um 4 Uhr morgens mit dem „Ändstraich“.

Immer noch nicht genug? Na dann: In Donaueschingen, Elzach, Bonndorf und Bad Dürrheim haben die Narrenmuseen das ganze Jahr geöffnet. Mehr Infos unter Tel. 0761.8964693, www.kultur-schwarzwald.info

Adressen und Termine der Narrenzünfte:

Was die Narros, Spättli, Bobbele, Hansele, Jokili, Teufel, Hexen und sonstige Gesellen eigentlich wollen und welche Funktion sie haben, steht auf den Webseiten der vielen Narrenvereinigungen. Ebenso wo und wann sie zu sehen sind. Hier die wichtigsten Adressen:
•• Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Bad Dürrheim, Tel. 07726 977601, www.vsan.de
•• Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON), Weil am Rhein, www.von-online.de
•• Freie Narrenvereinigung Mittlerer Schwarzwald, Schramberg, Telefon 07422 52741, www.freie-narrenvereinigung-mittlerer-schwarzwald.de
•• Schwarzwälder Narrenvereinigung, Triberg, Tel. 07722 6050, www.schwarzwaelder-narrenvereinigung.de
•• Narrenfreundschaftsring Schwarzwald-Baar-Heuberg (NFRSBH), Meßstetten, Tel. 07579 933458, www.nfr-sbh.de
•• Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte, Wehr, Telefon 0761 5565557, www.v-h-n.net
•• Ortenauer Narrenbund, Appenweier, Telefon 07805 911701
•• Narrenring Oberer Neckar, Epfendorf, Telefon 0172 7310947, www.narrenring-oberer-neckar.de
•• Freie Narrenvereinigung Waldgau, Dornhan, www.freie-narrenvereinigung-waldgau.de
•• Viererbund, c/o Schuttig, Elzach, www.schuttig.info

Links zu weiteren Narrenzünften: www.fasnet-forum.de
• Sehr informativ ist das Fastnachtsarchiv des SWR: www.swr.de/fastnacht
• Fasnetsprüche, Rezepte und Märsche: www.narren-spiegel.de

Autor: John Grosspietsch

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