Hohengeroldseck

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Hohengeroldseck ist die Ruine einer einst für unüberwindlich gehaltenen Höhenburg, auf dem 525 m hohen Schönberg, einer Anhöhe zwischen Kinzig- und Schuttertal, also den Gemeinden Biberach/Baden und Seelbach. Vom Parkplatz auf der Passhöhe der „schönen Straße“ aus, erreicht man in kurzem steilem Anstieg die Burg.

Ein großes Geschlecht
An Alter und Wechsel der Schicksale von kaum einem edlen Haus übertroffen, rankt sich schon seit frühester Zeit eine Sage um das Geschlecht der Geroldsecker: Als Pipin der Kurze, der König der mächtigen Franken, jenseits der Alpen gegen die stolzen Langobarden mit ihrem König Astolf zog, folgte ihm auch Marsilius, ein Herzog aus Schwaben. Durch treue Dienste war dieser bald ein Liebling des Frankenkönigs. Als ihm Regarda, die Tochter des Bayerngrafen Hildebrands von Andechs, einen Sohn gebar, nannte er ihn Geroldseck, nach einer Straße in Rohm (Geroltzeck). Dieser Gerold war der Bruder jener Hildegarde, die Gemahlin Karls des Großen war. Der Kaiser übertrug Gerold die herzogliche Würde in Bayern, das Markgrafenthum in Oesterreich und die Grafschaft in der Reichenau.

Im Sachsenkrieg soll dieser Gerold in treulichem Gefolge, mit eigener Hand den weitgefürchteten Wittekind erschlagen haben. Außerdem schützte er seine Markgrafschaft in großem Sieg gegen die alles verheerenden Hunnen. Doch sein allzu großer Eifer wurde ihm zum Verhängnis, als sich die Heiden unerwartet gegen ihn wandten und ihn erschlugen. Seine sterblichen Überreste liegen auf der Reichenau im Chor des Münsters, auf der rechten Seite des Hochaltares. Der Märtyrertag des Gerolds ist der zweite Oktober des Jahres 799.

Trümmer einer einst mächtigen Anlage
Die einst mächtige Burg Hohengeroldseck wurde unter staufischer Leitung im 13. Jahrhundert erbaut und 1250 als Burg „Neu-Geroldseck“ vollendet. Sie ist als Mehrfamilienburg, mit Kastellgrundriss im Typus der turmlosen Turmhausburg errichtet und bietet vor allem vom Kinzigtal her einen markanten Blickfang. Heute gehört die Burganlage zu den größten und am besten erhaltenen Anlagen in Südbaden.

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Ursprünglich hatte die Burg, ohne ihre Vorwerke, eine Ausdehnung von 95 auf 50 Meter. Die über zwei Meter starke Ringmauer hatte einen Wehrgang mit Schießscharten. Die beiden auf einem Porphyrfelsen errichteten und durch einen Hof getrennten Hauptgebäude waren etwa 50 Meter lang und bis zu 20 Meter breit.

Das Zentrum war ein viergeschossiger Palas, das „alte Hus“, in dessen Obergeschoß sich ein 80 Quadratmeter großer Rittersaal befand. Die Fassade des Ritterhauses ist mit nahezu 26 Meter Höhe in Längsseiten von bis zu 15 Meter (innen gemessen) noch weitgehend erhalten. Insgesamt haben Porphyrfelsen und Palas eine Höhe von rund 33 Meter. Der hintere Burgteil mit frühgotischen Spitzbogenfenstern kann über eine Wendeltreppe bestiegen werden. Vom Wehrgang aus bietet sich ein großartiger Blick in das Schutter- und das Kinzigtal.

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Das „neue Hus“ ist nur noch in einzelnen Mauerresten erkennbar.
Eine Besonderheit ist auch das Brunnenhaus der Burganlage, das nur durch den obersten Burghof erreichbar war. Man hatte in das harte Gestein einen 65 Meter tiefen Brunnenschacht gesprengt und darüber das Brunnenhaus mit Verteidigungsanlage gebaut.

439 Jahre Burg-Geschichte
Die Geroldsecker galten neben den Zähringern als mächtigste Herren der Region. Seit 1277 war das Gebiet der unteren Ortenau in der Hand der Nachkommen Walter von Geroldseck. Es umfasste die Herrschaften Seelbach mit ergiebigen Silberbergwerken, die einst blühende Münzstätte Prinzbach, Mahlberg, Lahr sowie die Klöster Schuttern und Ettenheim. Dazu die Burgen Schenkenzell, Romberg und Schwarzenburg im Elztal sowie auf der Höhe dem Schönberg gegenüber die Burg Lützelhardt.

Eine Burg Geroldseck, die damals zu einem Viertel dem Kloster Gengenbach gehörte, wurde erstmals 1139 erwähnt. Die Geroldsecker waren ursprünglich auf der Burg Alt-Gerodseck (Raukasten) beheimatet. Sie errichteten 1220 die Tiefburg in Lahr und um 1250 die Burg Neu-Geroldseck (Hohengeroldseck). Im Jahr 1277 stirbt Walter I. von Geroldseck. Dessen Sohn Walter von Geroldseck wird Bischoff von Straßburg und sein Bruder Hermann von Geroldseck Landvogt im Elsass, Breisgau und der Ortenau.

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Nach einer langen Zeit wirtschaftlichen Prosperierens und kluger Familienpolitik, begannen 1370 erste Erbauseinandersetzungen, die sich noch bis über das ganze 15. Jahrhundert fortsetzten. Im ruinösen Kampf um das Erbe mussten 1442 die Nachkommen Walters von Geroldseck die Burg sowie die Hälfte der Herrschaften Lahr und Mahlberg für 30.000 Gulden an Markgraf Jakob I. von Baden verpfänden. 1486 setzte dann Kurfürst Philipp von der Pfalz dem unklugen Taktieren des damaligen Diebold von Hohengeroldseck ein Ende. Er besetzte die Burg, womit er die pfälzische Territorialpolitik am Oberrhein weiterverfolgte und zugleich vollendete Tatsachen gegen die habsburgischen Ambitionen schaffte. Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1504 kamen Burg und Herrschaft in badische Treuhänderschaft und 1511 wieder an die Familie zurück.

1599 verlegten die Geroldsecker ihre Residenz in das zum Renaissanceschloss umgebaute Schloss Dautenstein in Seelbach. Mit dem Tod des letzten Geroldseckers, Jakob, 1634, kam es zu neuen Konflikten in deren Zuge Österreich die Herrschaft besetzte und Hartmann von Cronberg einsetzte. Dieser hatte schon 1620 die Zusage auf das Lehen erhalten. Nach dem Erlöschen dieser Familie wurde nach einem kurzen baden-durlachischen Zwischenspiel (1692-1697) Karl Kaspar von der Leyen mit der Herrschaft belehnt. Er wurde 1700 in den Reichsgrafenstand erhoben. Burg Hohengeroldseck, die in ihrer Geschichte zweimal belagert wurde, nämlich 1426 und 1486, wurde jedoch 1689 endgültig durch die Franzosen zerstört, wobei sie vollständig ausbrannte.
 

Viel Spaß beim Besuch vor Ort!

 

Autor: Simone Grosspietsch

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