Wilder Schwarzwald

Baendele

Schwäbisch-alemannische Fastnacht
Zur Schwäbisch-alemannischen Fasnet, wie sie auch im Schwarzwald zuhause ist, geben Guggemusik, Blechmusik und Fanfarengruppen den Rhythmus vor. Sie ist Brauchtum der Fastnacht im südwestdeutschen Raum und der Nordschweiz. Als „Fasnacht“, „Fastnacht“, „Fasent“ oder „Fasnet“ hat die typische schwäbisch-alemannische Fasnet mit dem rheinischen Karneval und dem Fasching nur wenig gemein. Anders als beim sehr viel jüngeren rheinischen Karneval mit seinen Funkenmariechen toben und springen Hexen, Schuttige, Hansele, Narros, Spättle, Teufel, Morbili, Geißenmeckerer und Federahannes durch die Straßen der Dörfer und Städte im Schwarzwald.

Charakteristisch für die Maskerade der Teilnehmer sind „Larven“ oder auch „Schemmen“, wie man im alemannischen Sprachraum die Masken nennt. Sie sind meist aus Holz oder ab und an auch aus Stoff, Papier, Ton oder Draht hergestellt. Die Kostümträger heißen in Süddeutschland Hästräger und wechseln ihre Verkleidung, das „Häs“ nicht von Jahr zu Jahr, sondern behalten sie immer bei und vererben sie von Generation zu Generation.

Auftakt der 5. Jahreszeit ist der 11. November. Sie gipfelt mit den „hohen Tagen“ der Straßenfasnet, die 2014 vom 27. Februar bis 5. März dauert. Die „Buurefasnet“ in Weil am Rhein und in Basel hat ihren Höhepunkt sogar erst am Sonntag nach Aschermittwoch. Die Umzüge der schwäbisch-alemannischen Fasnet gehören zu den größten und zugleich lustigsten Volksfesten im alemannischen Kulturraum. Die Vielfallt und Einzigartigkeit der dargebotenen Narrenkostüme ist mehr als sehenswert.

Wer sich auch außerhalb der 5. Jahreszeit für das typisch süddeutsche Brauchtum im Schwarzwald und den angrenzenden Regionen interessiert, kann das ganze Jahr über eines der verschiedenen Fasnetmuseen besuchen.

Größere Museen gibt es z.B. in Bonndorf, Bad Dürrheim, Freiburg, Kenzingen und Schloss Langenstein im Hegau. Der Narrenschopf in Bad Dürrheim ist nicht nur ein besonderes Museum, das sich mit dem Brauchtum der schwäbisch-alemannischen Fasnet beschäftigt, sondern zugleich das größte. Der Narrenschopf wurde am 5. Mai 1973 eröffnet. Er ist in drei halbkugelförmigen Solebehältern der ehemaligen Rottweiler Saline aus der Zeit um 1830 untergebracht.

Unweit des Kaiserstuhls befindet sich in dem alten historischen Städtchen des Nordbreisgaus Kenzingen in einem historischen Gebäude das Fasnachtsmuseum Oberrheinische Narrenschau Kenzingen des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte mit seinen zahlreichen Mitgliedzünften, die sich zwischen Oberkirch und Rheinfelden und zwischen dem Rhein und Schwarzwald befinden. Auf fünf Etagen werden rund 300 Narrenfiguren in ihrem Häs und kunstvoll geschnitzten Holzmasken präsentiert. Die Schloss-Narrenstuben in Bonndorf beherbergen eine Ausstellung über das Fasnachtsbrauchtum im südwestdeutschen Raum. Fast 400 originalgetreue Nachbildungen in Miniatur aus dem Schwarzwald, der Baar, Hegau, Oberrhein, Bodensee und Schwaben sowie dem Allgäu. werden präsentiert.

Narren
Das Wort Narr steht normalerweise im Alltag für Tor, Tölpel, Trampel, Kindskopf, Simpel, Tollpatsch, Dummkopf oder Spaßvogel. Doch im deutschen Südwesten hat der Narr noch eine ganz andere Bedeutung. Dort sind Narren mit einem Häs und einer Maske verkleidete Figuren im Rahmen der Schwäbisch-alemannischen Fasnet. Sie treten heute in zahlreichen verschiedenen Versionen auf. Auf der Baar östlich des Schwarzwalds sind so genannte Weißnarren üblich. Zu den ältesten derartigen Fastnachtsfiguren zählt der Narro aus Villingen oder der Hansel aus Donaueschingen.

Der Biß aus Rottweil sowie dessen Gegenstück Gschell haben eine ebenso lange Tradition. Die Weißnarren sind meist männlich. Frauen treten an ihrer Seite oft mit der örtlichen Tracht auf. Das Häs von Weißnarren besteht aus einem weißen Stoff, das mit verschieden kultischen Motiven bemalt oder bestickt ist. Im Bodenseeraum gibt es eine andere Form der Maskierung. Das Überlinger Hänsele – dessen erste schriftliche Erwähnung im Rahmen der Überlinger Fasnacht in einem Ratsprotokoll auf das Jahr 1430 zurückgeht – ist mit einer Stoffmaske bedeckt.

Verglichen mit der barocken Eleganz der Weißnarren aus er Baar sehen Blätzle-, Spättle- oder Flecklenarren manchmal etwas mysteriös aus, da ihr Häs aus alten herunterhängenden Stoffresten eher einer Verschleierung ähnelt. Im Schwarzwald, am Hoch- und Oberrhein dominieren wieder Holzlarven (Holzmasken), abgesehen von ein paar wenigen ausnahmen. In Merdingen am Tuniberg gibt es die sogenannten Rußhexen, die ein schwarz bemaltes Gesicht haben. Typisch für alle Narren sind die mitgeführten Spaß oder Brauchtumsgegenstände, von der Streckschere über die Saublodere bis Glocken, Handwerkszeug oder Pritsche.

Narrenumzüge
Besonders beliebt sind die Narrenumzüge. Auftakt der Fasnet ist der Dreikönigstag am 6. Januar. An diesem Tag heißt es „Masken und Häs abstauben“ und sich gegenseitig im Narrenkostüm besuchen. Die „hohen Tage“ der Straßenfasnet gehen dann von Dreikönig bis Aschermittwoch, mancherorts bis am Sonntag nach Aschermittwoch und in Basel von Montag (Morgestraich) nach Aschermittwoch bis Mittwoch. Ihren Höhepunkt hat die Fasnet Vielerorts vom „Schmutzige Dunnschdig“ mit Hemdglunkerumzug, Schnurren und vielen anderen Bräuchen bis zum Fasnet-Mendig bzw. Fasnet-Zischdig .

Zu den Höhepunkten der Straßenfasnet gehören unter anderem die Umzüge un Bräuche in Rottweil, Wolfach und Elzach. Rottweil gilt als die Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Jährlich am Fasnet-Mendig und Dienstag findet hier der Rottweiler Narrensprung statt, der Abertausende von Besuchern aus nah und fern anzieht. Rotes Zottelkostüm, Bärenmaske, einen Dreispitz mit Schneckenhäusern auf dem Kopf und eine Saublodere in der Hand: So zeigen sich die „Hästräger“ in Elzach im südlichen Schwarzwald. Der Schuttig ist eine der urigsten Fasnachtsfiguren der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Unter den bekannten Narrenorten des schwäbisch-alemannischen Raums nimmt Wolfach mit seiner über 200-jährigen Tradition der Fasnetsspiele, seinen z. T. einzigartigen Umzügen wie den Nasenumzug und seinen Narrengestalten einen besonderen Rang ein.

Narrenvereinigungen
Die meisten Hästräger gehören einer Zunft an, die wiederum in so genannten Narrenvereinigungen organisiert sind. Größere Narrenvereinigungen im deutschen Südwesten sind der Alemannischer Narrenring, die Breisgauer Narrenzunft, die Fasnetlandschaft Schwarzwald, die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, die Schwarzwälder Narrenvereinigung, die Vereinigung freier Oberschwäbischer Narrenzünfte, der Verband Oberrheinischer Narrenzünfte und die Vereinigung schwabisch-alemannischer Narrenzünfte.

Der Alemannische Narrenring ist der Zusammenschluss von närrischen Gruppierungen aus dem süddeutschen Raum, von Oberkochen im Norden bis Trübbach in der Schweiz im Süden. Sie alle möchten die fasnachtlichen und heimatlichen Bräuche pflegen und erhalten. Die Breisgauer Narrenzunft wurde im Jahr 1934 als Dachorganisation der Freiburger Narren gegründet. Alljährlich wird neben der Fasnet im Frühjahr ein Hock im Sommer organisiert. Er findet meist im Juli auf dem Rathausplatz statt. Die Fasnetslandschaft Schwarzwald wurde im Jahr 1924 gegründet. Sie gehört zur Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN), der ältesten Vereinigung von Narrenzünften in Deutschland. Die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee beheimatet Zünfte aus den ehemaligen Landkreisen Konstanz,Stockach, Sigmaringen und Überlingen. Zur Narrenvereinigung Kleggau zählen zurzeit 27 Zünfte und Vereine mit rund 3.000 Mitgliedern. Gegründet wurde die Narrenvereinigung im Jahr 1978. Am 23. Oktober 1971 wurde in Klengen (heutiges Brigachtal) die Schwarzwälder Narrenvereinigung gegründet.

Die Schwarzwälder Narrenvereinigung beheimatet Zünfte aus den ehemaligen Landkreisen Donaueschingen, Hochschwarzwald und Villingen. Der Verband Alb Bodensee oberschwäbischer Narrenvereine ist ein Zusammenschluss von Narrenzünften und Narrenvereinen aus den Regionen der schwäbischen und alemannischen Fasnetslandschaften. Zu den Aufgaben des Verbandes gehört die Pflege der alemannischen Fasnet. Der Verband Oberrheinischer Narrenzünfte wurde 1937 gegründet und zählt rund 82 Mitglieder. In Kenzingen unterhält der Verband ein Museum. Die Vereinigung freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON) wurde im Jahr 1969 gegründet. Die Mitgliedszünfte der Vereinigung erstrecken sich über die Landkreise Alb-Donau-Kreis, Landkreis Biberach, Landkreis Esslingen, Landkreis Ravensburg, Landkreis Reutlingen, Landkreis Sigmaringen und Landkreis Zollernalb. Die Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte (VHN) wurde im Jahr 1964 gegründet. Mitglieder sind die Narrenzünfte aus Murg, Karsau, Ryburg, Öflingen, Schwörstadt und Todtmoos.

Autor: Simone Grosspietsch

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